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Anthroposophie
Das Verhältnis von Mensch und Engel, die Begegnung mit dem Engel im
eigenen Wesen:

Der Mensch entwickelt sich: „Zu seinem Ich, wissen wir, wird sich hinzuentwickeln
eine höhere Wesenheit, die sich in ihm offenbaren wird: das Geistselbst. … So dass
wir einfach sagen können, statt dass wir den komplizierten Ausdruck gebrauchen:
‚Wir stehen in Beziehung zur Hierarchie der Angeloi': ‚Wir stehen in Beziehung zu
dem, was da kommen soll in der Zukunft, zu unserem Geistselbst.' … Unser Ich
muss jenem Höheren, jenem Geistselbst begegnen, das wir erst entwickeln werden
und das in einer gewissen Beziehung gleichartig ist mit Wesenheiten aus der
Hierarchie der Angeloi. … Wir müssen von Zeit zu Zeit begegnen einem Wesen aus
der Hierarchie der Angeloi, das uns besonders nahe steht, weil dieses Wesen,
indem es uns begegnet, an uns geistig dasjenige vornimmt, was uns in die Lage
versetzt, einstmals ein Geistselbst aufzunehmen…

Ob wir im christlichen Sinne dieses Wesen versetzen in die Hierarchie der
Angeloi, oder ob wir mehr im antiken Sinne sprechen von dem, was die älteren
Völker gemeint haben, wenn sie von dem Genius, von dem führenden Genius des
Menschen sprachen, das ist im Grunde genommen ganz gleich. Wir wissen, wir
leben in einer Zeit, wo es nicht vielen, sondern nur wenigen Menschen gestattet
ist - aber diese Zeit wird bald anders werden -, hineinzuschauen in die geistige
Welt… Plutarch, der griechische Schriftsteller, sagt, dass außer dem in den
irdischen Leib versenkten Teil der Seele ein anderer reiner Teil derselben,
außerhalb außerhalb, über dem Haupte des Menschen schwebend bleibt, als ein
Stern sich darstellend, der mit Recht … sein Genius genannt wird, welcher ihn
leitet, und dem der Weise willig folgt. …

Dieser Genius ist nichts anderes als das werdende Geistselbst, getragen allerdings
von einem Wesen aus der Hierarchie der Angeloi.

Rudolf Steiner, 20.2.1917



... Kommt man zur inneren Ruhe des Überblicks, dann sondert sich das Wesentliche
vom Unwesentlichen. ... Der Wert solcher inneren, ruhigen Selbstschau hängt viel
weniger davon ab, was man dabei erschaut, als vielmehr davon, daß man in sich die
Kraft findet, die solche innere Ruhe entwickelt.

Denn jeder Mensch trägt neben seinem - wir wollen ihn so nennen - Alltagsmenschen
in seinem Innern noch einen höheren Menschen. Dieser höhere Mensch bleibt so lange
verborgen, bis er geweckt wird. Und jeder kann diesen höheren Menschen nur selbst
in sich erwecken. Solange aber dieser höhere Mensch nicht erweckt ist, so lange
bleiben auch die in jedem Menschen schlummernden höheren Fähigkeiten verborgen,
die zu übersinnlichen Erkenntnissen führen.

Solange jemand die Frucht der inneren Ruhe nicht fühlt, muß er sich eben sagen, daß
er in der ernsten strengen Befolgung der angeführten Regel fortfahren muß. Für
jeden, der so verfährt, kommt der Tag, wo es um ihn herum geistig hell wird, wo sich
einem Auge, das er bis dahin in sich nicht gekannt hat, eine ganz neue Welt
erschließen wird.

Rudolf Steiner, Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten, 1. Kap.
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So muß die große Gewissensforschung eintreten, die darin besteht, daß wir uns sagen:
wenn wir nicht mit allen Kräften hinarbeiten auf eine geisteswissenschaftliche
Durchdringung unseres Instinktiven und unseres Gefühls- und Empfindungslebens, so
verstehen wir das Kind im 14., 15. Lebensjahr nicht mehr. Wir lernen es erst
verstehen, wenn wir zu einer solchen Bildung vordringen. Das ist gemeint, wenn immer
gesagt wird: Anthroposophie ist selbst eine Pädagogik; nämlich sie wird Pädagogik,
wenn man in die Lage kommt, erziehen zu können. Und es braucht nur das aus den
Tiefen der menschlichen Seele hervorgeholt werden, was durch Anthroposophie in die
Menschensee gelegt wird, wenn es zur Pädagogik kommen soll. Ich möchte sagen, dem,
was in jedem Menschen ist, braucht nur eine pädagogische Richtung gegeben zu
werden, so wird anthroposophische Menschenerkenntnis eben durchaus auch
Pädagogik.

R. Steiner, Menschenerkenntnis und Unterrichtsgestaltung, 18.6.1921, Stgt.